Wenn auch verspätet, befinden wir uns mittlerweile in den ersten aggressiven Tagen des Sommers. Hitze, Schweiß, sengende Sonne. Die Zustände weit jenseits der Marke von 20°C lassen so manchen Kreislauf im Workout ohne besonderen Reiz an seine Grenzen kommen. Doch spätestens, wenn die Temperaturen in einigen Monaten wieder sinken, sind kalte Duschen nicht mehr so angenehm. Schließlich schreit die Haut dann nicht mehr nach einem Hitzeausgleich, sondern nach einem zusätzlichen Lift Heavy Pullover auf den vom Muskelkater gebeutelten Knochen. Warum kalte Duschen zwar unangenehm, aber mehr als sinnvoll sind, erklären wir euch jetzt:

Der Steinzeitmensch und der Kältereiz

Was heutzutage Gyms, Supermärkte und Badeseen sind, war früher Natur. Das sagen wir jetzt nicht in falscher, romantisierender Rückschau. Viel eher sind wir froh um die Fortschritte, die die Menschheit gemacht hat. Sport ist heutzutage Hobby, funktionales Training ist ein Ausgleich. Früher, vor hunderten, tausenden Jahren ohne Zentralheizung und Gefriertruhe, war funktionale Bewegung überlebenswichtig. Wir als Menschen standen unter ständigem Druck. Survival of the fittest war eine competition, die über Leben und Tod entschied. Ähnlich hart ging auch die Natur selbst mit uns ins Gericht. Der Kältereiz, der bei schlechtem Wetter und einem niederbrennenden Feuer gesetzt wurde, hat uns hormonell angefacht. Positiver Stress entstand, sodass unser Immunsystem immer mehr daran wachsen konnte. Wer also seinem Immunsystem bis zum nächsten Winter einen Kick verpassen will und dennoch mit seiner Fußbodenheizung verheiratet bleiben will, der sollte sich mit einer kalten Morgendusche auseinandersetzen.

Öl auf die Zahnräder des Körpers: Körperflüssigkeiten zum Laufen bringen

Was passiert, wenn wir frieren? Wie fühlt sich Kälte auf der Haut an? Versetzen wir uns zurück an einen regenkalten Dezembertag: Der Wind zieht in die Knochen, also ziehen wir uns zusammen. Wir verspannen, machen uns klein und lenken den Fokus unserer Energie auf das Körperinnere. Wenn wir uns dann leicht angefroren wieder ins Warme begeben, entspannt sich der Körper, das Blut fließt und Ruhe kehrt ein. Kalt duschen wirkt genauso, ist nur weniger unangenehm. Durch die temporäre Anspannung unseres Körpers ziehen sich Muskeln und Blutgefäße zusammen, dekomprimieren aber anschließend aber wieder, wenn die Wärme wiederkehrt. Hinzu kommt die entzündungshemmende Wirkung, die langfristig unsere Abwehrkräfte pusht. Ein paar Minuten Qual für einen langfristigen Gewinn. Kalt duschen ist also wie ein 10-minütiges AMRAP: Schmerzt, erleichtert aber.

Emotionales und körperliches Gleichgewicht: Challenge and habits

Abgesehen von normalen, gesundheitssteigernden Faktoren kommt, wie so oft, auch beim neu etablierten Tagesablauf des „Kalt-duschens“ die Psychologie ins Spiel. Zunächst einmal schleift sich bei regelmäßiger Kaltdusche ein neuer Tagesablauf ein, der zur angenehmen Gewohnheit werden kann. Zudem haben wir vorhin schon von einem AMRAP gesprochen. Genauso kann man die Dusche selbst gestalten: Man kämpft gegen sich, auch wenn die Kälte an den Nerven zieht. Mit Stoppuhr macht das Ganze noch mehr Spaß!

Dadurch baut sich, in Kombination mit der muskulären Entspannung danach, eine wohlige Art von neuem Selbstbewusstsein auf: Man hat etwas getan, was man nicht will. Und doch hat man sich überwunden, da man den Sinn dahinter sieht. So etwas ist ideal für das Bullet Journal, das können wir versprechen!

Doch wie fängt man mit Eisduschen an?

Man wird nicht als Wim Hof geboren. Deswegen gibt es mehrere Methoden, um sich an seine persönlichen Limits zu tasten. Kalt duschen Scaled statt RX: Manchmal ist Wasser wie der erste Muscle Up.

Zum einen gibt es die Möglichkeit der Wechseldusche. Das Prinzip ist denkbar einfach: Erst warm, dann kalt, dann wieder warm. Duschen in verschiedenen Intervallen also. Nach und nach könnt ihr die kälteren Perioden zeitlich anpassen und nach Bedarf verlängern, sodass ihr schrittweise vorankommt. Wer es etwas härter mag und gleich auf die Zähne beißen will, der senkt bei jeder Dusche die Temperatur des Wassers leicht. Man beginnt an Tag 1 heiß, fährt sich selbst über Tage und Wochen aber bis zu Punkt X herunter. Die Wahl der Methode liegt ganz bei euch. Wir wünschen gutes Gelingen und viel Spaß mit eurer neu gewonnenen Willenskraft!

12 juni 2021 — Nils Bodendiek

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